Bleibt Mercedes dominant?
Ausblick - So wird die Formel-Eins-Saison 2015

Der Rennwagen Typ F1 W06 vom Team Mercedes AMG. Foto: Peter Steffen

Am kommenden Wochenende startet die Formel-Eins im australischen Melbourne in ihre neue Saison. Vor dem Start stellt sich die Frage: Kann Mercedes die Dominanz aus dem Vorjahr aufrecht erhalten? Und wie schneidet Sebastian Vettel im neuen Dienstfahrzeug ab?

Aufgrund des aufgeblähten Rennkalenders mit Rennen bis in den November hinein war die Pause dieses Mal gefühlt einiges kürzer, aber echte Fans können es natürlich kaum noch erwarten bis am Sonntag die Formel-Eins in die neue Saison startet.

Einiges ist anders, die großen Revolutionen blieben aber dieses Mal aus. Klar, wurde das technische Reglement auch nur geringfügig verändert.

Durch die wenigen Änderungen scheint es wahrscheinlich, dass Mercedes wieder als stärkstes Team daherkommt. Im Winter durften die Hersteller zwar etwas an den Motoren arbeiten, dass Ferrari und Renault den Riesenvorsprung komplett eingeholt haben, ist aber zu bezweifeln.

Fragezeichen hinter Honda

Ein großes Fragezeichen steht auch grundsätzlich hinter dem neuen Honda-Motor, der in der 2015er Saison erstmals seit 1992 wieder den McLaren antreiben wird. Die Testfahrten des englischen Traditionsteams, bei denen Button, Alonso (der aufgrund eines Unfalls bei den Testfahrten mindestens das erste Rennen verpassen wird) und Magnussen die mit Abstand wenigsten Runden aller Teams zustande brachten, erinnerten stark an das Vorjahr, als noch fast alle Teams mit der neuen Technik zu kämpfen hatten.

Bei den angesprochenen Testfahrten war es der Mercedes W06, der den besten Eindruck machte. Im Gegensatz zum letzten Jahr war aber auch das Team um Weltmeister Lewis Hamilton nicht frei von Problemen.

Die Grippe und der Nacken: Mercedes mit Problemen in Spanien

Bei den Testfahrten in Barcelona musste Hamilton einen Einsatz nach wenigen Runden aufgrund einer Grippe abbrechen, für ihn sprang Nachwuchskraft Pascal Wehrlein ein, der eigentlich für Force India testen sollte. Und auch Nico Rosberg zeigte sich zumindest körperlich in Spanien noch nicht in Bestform. Der Vizeweltmeister hatte mit Problemen am Nacken zu kämpfen.

Auch technisch hatte Mercedes das ein oder andere Problem, riss allerdings auch in diesem Jahr die mit Abstand meisten Testkilometer ab, schockte die Konkurrenz zum Ende der Tests mit einer famosen Bestzeit und geht als großer Favorit in die neue Saison.

Ferrari zweite Kraft?

Als ärgster Verfolger der Silberpfeile gilt Ferrari. Durch die Verpflichtung von Sebastian Vettel und den Austausch von Personal scheint es bei Ferrari einen Schritt in die richtige Richtung gegeben zu haben. Zudem scheint den Ingenieuren ein Auto gelungen zu sein, welches sowohl dem Stil von Vettel als auch dem seines Kollegen Räikkönen zusagt. Ein Rennsieg scheint nach den Testfahrten nicht ausgeschlossen, es bleibt aber abzuwarten, wie die "rote Göttin" letztendlich im Rennbetrieb funktioniert.

Fragezeichen bei Red Bull

Vettel jedenfalls zeigt sich zu diesem Zeitpunkt des Jahres wesentlich motivierter als noch im Vorjahr, als er mit Red-Bull ein absolutes Test-Fiasko erlebte.

Die Bullen erlebten auch 2015 keine guten Testfahrten. Immer wieder wurden Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat von technischen Problemen eingebremst und mussten wertvolle Zeit untätig in der Box verstreichen lassen. Daher lässt sich der neue Wegen in seinem Potenzial nur schwer einschätzen. Red Bull kann sowohl positiv als auch negativ überraschen.

Was ist los bei Force India?

Ebenfalls schlecht einschätzen lässt sich Force India. Das Team musste den ersten Test komplett absagen, konnte beim ersten Barcelona-Test nur mit dem Vorjahresauto testen und verpasste auch beim finalen Test wiederum in Barcelona den ersten Tag.

Dem Team werden Zahlungsschwierigkeiten nachgesagt. Einige wichtige Lieferanten haben keine Teile geliefert - deswegen auch die Verzögerung des erstmaligen Einsatzes mit dem neuen Fahrzeug.

Sportlich scheint es beim Team von Nico Hülkenberg keine groben Probleme zu geben, mit Mercedes Power angetrieben macht das neue Auto einen soliden Eindruck. Die Fragen nach der finanziellen Situation des Teams werden aber vorerst bestehen bleiben.

Lotus und Sauber

Eine bessere Saison als 2014 dürfte das Lotus Team erleben. Mit neuem Mercedes Motor angetrieben machten die Testfahrten Mut, ließen aber auch Zweifel entstehen. Schnell waren Grosjean und Maldonado unterwegs, aber auch ziemlich oft mit Problemen an der Box. Bleibt der Lotus zuverlässig, sind vordere Plätze möglich.

Ebenfalls einen besseren Eindruck macht der neue Sauber, wobei es viel schlechter als im Vorjahr auch gar nicht mehr geht. Bei den Testfahrten hat das Schweizer Team die zweitmeisten Kilometer absolviert und war leistungstechnisch gesehen in einem Bereich, der für die hinteren Punkteränge reichen sollte.

Das große Problem werden bei Sauber die Finanzen bleiben. Im letzten Jahr gab es regelmäßig Gerüchte, wie schlecht es um das Team stehen soll. Neben Sponsoren müssen also auch wieder WM-Punkte her, um an die großen Preisgelder zu kommen.

Williams und Torro Rosso

Deutlich besser sieht es bei Williams aus. Nach der starken Vorsaison zeigt sich der britische Rennstall auch 2015 wieder konkurrenzfähig. Der neue Bolide von Massa und Bottas wirkt schnell und zuverlässig. Mit zwei Könnern am Lenkrad sollte Williams auch 2015 wieder zu den ärgsten Verfolgern von Mercedes gehören.

Davon kann man bei Torro Rosso nur träumen. Aber das Farm-Team von Red Bull ist auch nicht dazu gedacht, ganz vorne mitzufahren. In dieser Saison geht das Team mit der jüngsten Fahrerpaarung an den Start. Für Carlos Sainz junior (20) und Max Verstappen (17!) wird es in erster Linie darum gehen, Erfahrung zu sammeln.

Manor GP

Einem kleinen Wunder gleicht es, dass es das ehemalige Marussia Team tatsächlich in Australien an den Start schafft. Nachdem das Team die letzten Rennen im Vorjahr auslassen musste und sogar den Gang in die Insolvenz antreten musste, haben sich kurz vor knapp noch neue Geldquellen gefunden.

Energiemogul Stephen Fitzpatrick hat in das Team investiert, ermöglicht so den Fortbestand. Ein neues Auto wurde nicht gebaut. Das Einsatzfahrzeug aus dem Vorjahr wurde bisher lediglich an die neuen Regeln angepasst, eine weitere Version soll innerhalb der Saison folgen. Offiziell wird das Team nun als Manor GP an den Start gehen.

Wie groß ist der Vorsprung der Silberpfeile?

Am Sonntag also geht die Formel-Eins auf dem semi-permanenten Albert-Park-Circuit in die neue Saison. Der amtierende Weltmeister wird übrigens nicht mit der Startnummer 1 ins Rennen gehen. Lewis Hamilton hat sich entschieden, weiter mit "seiner" 44 auf dem Wagen anzutreten.

Mercedes geht wie beschrieben als Favorit in die Saison. Interessant ist die Antwort auf die Frage, wie groß der Vorsprung der Silberpfeile ist. Startet Mercedes so imposant wie 2014, dann sind Hamilton und Rosberg in der Gesamtwertung nicht zu schlagen.

Gelingt es den Teamchefs Toto Wolff und Niki Lauda dann auch noch, die im letzten Jahr aufgekommenen Streitereien der einstig sehr engen Freunde im Keim zu ersticken, dann kommt der Weltmeister auch 2015 wieder aus dem deutschen Vorzeigeteam.