LeMans-Sieger ersetzt Kobayashi
Caterham setzt in Belgien auf Andre Lotterer

Andre Lotterer fährt am Wochenende den Großen Preis von Belgien für das Team Caterham. (Foto: dpa)

Spa-Francorchamps – Das Team Caterham ersetzt Kamui Kobayashi. Auf dem Circuit de Spa-Francorchamps darf Andre Lotterer den grünen Boliden pilotieren. Für den gebürtigen Duisburger geht damit ein Traum in Erfüllung. Aber wer ist dieser Andre Lotterer überhaupt?

Eingefleischten Motorsportfans dürfte der Name Lotterer kein Geheimnis sein. Immerhin ist der 32-jährige Rennfahrer amtierender Sieger der 24-Stunden von LeMans. Den Langestreckenklassiker gewann Lotterer mit Audi in den Jahren 2011, 2012 und 2014 insgesamt drei Mal. 2012 gewann er mit Audi zudem die FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC).

Doch wie kommt jemand, der in den letzten Jahren vornehmlich in Tourenwagen- und Langstreckenserien angetreten ist mit 32 Jahren relativ spät zu seinem Debüt in der Formel-Eins?

Anfang des Jahrtausends Testfahrer bei Jaguar

Nun, ein unbekannter ist Lotterer in der Show des Bernie Ecclestone nicht. Zwischen 2000 und 2003 absolvierte er Testfahrten für das damalige Jaguar-Team. Zu einem Grand-Prix-Einsatz kam er in dieser Zeit aber nicht. Vor und während der Zeit als Jaguar-Junior nahm Lotterer an diversen Formel-Drei-Serien und der FIA-GT-Meisterschaft teil.

Nachdem sein Engagement bei Jaguar 2003 endete, entschied Lotterer sich für einen Wechsel in die japanische Formel-Nippon (heute Super-Formula), in welcher er bis zum heutigen Tage auch immer noch aktiv ist. Die Saison 2011 schloss Lotterer als Gesamtsieger der Serie ab. Zeitgleich begann ab 2003 sein Engagement bei Audi. 2009 ging er erstmals für die Ingolstädter beim 24-Stunden-Rennen in LeMans an den Start.

Warum holt Caterham Lotterer in die F1?

Durch die Super Formula-Fahrzeuge, welche den F1-Boliden zumindest ähneln, hat Lotterer also langjährige Erfahrung im Formel-Sport. Das Formel-Eins-Fahrzeug von Caterham wird ihn vermutlich nicht mehr überraschen und den Circuit de Spa-Francorchamps kennt der in Tokio lebende Lotterer ebenfalls von Einsätzen in diversen Rennserien.

Aber warum holt Caterham gerade Lotterer und nicht einen der unzählig vorhandenen Pay-Driver, die für den Einsatz in Belgien viel Geld bezahlt hätten? Geld, welches ein kleines Team wie Caterham immer gut zu gebrauchen weiß.

Lotterer, soll dem Team wertvolles Feedback für die Weiterentwicklung des Wagens geben. Durch seine langjährige Erfahrung in WEC, Super Formula und anderen Serien ist er dafür sicher besser geeignet als der junge, unerfahrene Testfahrer Robin Frijns. Ein weiterer Pluspunkt: Lotterer gilt in der Branche als Spezialist auf nasser Fahrbahn. Gerade auf dem Ardennen-Kurs in Belgien ein nicht zu vernachlässigender Punkt.

Wie lief der Deal?

Wie kam der Deal zustande? Lotterer ist immerhin Werkspilot bei Audi. Das Ingolstädter Unternehmen kam der Bitte um Freigabe zügig nach, möchte nicht bei der Verwirklichung eines Kindheitstraumes im Wege stehen. Das Team absolviert zur Zeit zwar Testfahrten, dass nächste Rennen findet aber erst Ende September versetzt zur Formel-Eins statt. Die Zweitverpflichtung Lotterers in Japan konnte ebenso schnell aus dem Weg geräumt werden. Sein Team "TOM'S" verpflichtete einen Ersatzfahrer und strich den deutschen Piloten von der Startliste des nächsten Saisonlaufs der Super-Formula.

Bürokratie zog Deal hinaus

Für einen Start in der Formel-Eins ist eine Superlizenz erforderlich. Aufgrund der Erfahrung Lotterers keine große Hürde. Der Automobilweltverband zog die Erteilung dennoch ein wenig in die Länge - erst am Mittwoch konnte Caterham so den Deal als perfekt vermelden. Mit dem Einsatz in Beglien sorgt Lotterer zudem für eine Besonderheit. Erstmals seit 20 Jahren nimmt in Spa ein amtierender LeMans-Sieger wieder an einem Formel-Eins-Rennen teil. Der letzte war Yannik Dalmas 1994.

Wie es nach dem Rennen weiter geht, weiß Lotterer noch nicht. Seine Verpflichtungen für Audi verhindern Formel-Eins-Starts in Singapur und Russland. Ohne Verpflichtungen ist er zur Zeit der Rennen in Suzuka, Sao Paulo und Abu Dhabi. Hier hätte er also die Möglichkeit auf weitere Einsätze in der Königsklasse.

Wir wünschen Lotterer aber erst einmal viel Glück bei seiner Premiere in Belgien!