Lotterer mit kurzem Debüt
Fahrer-Streit bei Mercedes droht zu eskalieren

Der Moment, der den Streit bei Mercedes eskalieren lässt? (Foto: dpa)

Spa-Francorchamps – Ein zweiter Platz und viele lange Gesichter bei Mercedes. Das Rennen in Belgien hatten sich die souveränen WM-Spitzenreiter sicher anders vorgestellt. Ein kurzer Moment in der zweiten Runde des Rennens überstrahlt fast alles, nur Rennsieger Daniel Ricciardo nicht.

Daniel Ricciardo hat den großen Preis von Belgien auf dem Circuit de Spa-Francorchamps gewonnen. Der Red-Bull Pilot setzte sich vor WM-Spitzenreiter Nico Rosberg und einem erneut starken Valtteri Bottas im Williams durch. Für den jungen Australier Ricciardo war es der dritte Sieg in dieser Saison.

Lotterer mit kurzem Debüt

Formel-Eins-Debütant Andre Lotterer hatte vor dem Rennen sichtlich Freude, sein erstes Rennen in der Königsklasse des Motorsports bestreiten zu dürfen. Leider endete sein Rennen bereits nach wenigen Runden. Ein technischer Defekt stoppte den amtierenden LeMans-Sieger, der sich berechtigte Hoffnungen auf weitere Einsätze für Caterham machen darf.

Den Rennsonntag überstrahlt hat aber ein kurzer Moment zu Beginn der zweiten Runde. Rosberg, auf Platz Zwei hinter Hamilton liegend, wollte sich den ersten Platz - er startete von der Pole-Position - zurückholen. Beim Versuch Hamilton zu überholen beging Rosberg einen kleinen Fehler. Doch dieser sollte schwere Folgen haben.

Reifenplatzer bei Hamilton

Rosberg selber zerstörte sich einen Teil seines Frontflügels. Damit hatte er in den Runden danach mit nachlassendem Grip zu kämpfen, hat dabei wohl bereits den Sieg, der sicher möglich war, verspielt. Schlimmer aber die Folgen für Hamilton. Bei der Aktion schlitzte Rosberg einen der Hinterreifen Hamiltons auf. Für den Briten war das Rennen damit praktisch gelaufen.

Er kämpfte sich zwar bis in die Box zurück und konnte nach dem Reifenwechsel weiter am Rennen teilnehmen, hatte aber in der Folge mit dem beschädigten Auto mehr zu kämpfen als mit seinen Gegnern auf der Strecke. Nach längerer Diskussion am Funk parkte Hamilton sein Dienstfahrzeug schließlich frühzeitig in der Box. Null Punkte also für den Weltmeister von 2008.
Mit dieser Aktion droht der Streit der beiden Piloten zu eskalieren. Während Vorfälle in Monaco, Silverstone, Montreal oder Budapest noch ohne weitreichende Folgen waren, hat der Crash in Spa das Mercedes-Team das erste Mal in dieser Saison wirklich Punkte gekostet. Das ohnehin schon angespannte Verhältnis der Fahrer wird auf eine neue Zerreißprobe gestellt.

Team gibt Rosberg die Schuld

"Der Rennunfall war der Fehler von Nico. Wenn der Hintermann nicht nachgibt, obwohl er die Kurve schon verloren hat, sorgt er für eine Kollision. Der Vordermann hat hinten ja keine Augen im Kopf", beurteile Niki Lauda die Aktion in der zweiten Runde.

Mercedes-Motorsport Chef Toto Wolff stieß ins gleiche Horn. "Dieses Rennen war keine Glanzleistung. Nico fuhr eine starke erste Runde. Aber das Manöver in der zweiten Runde war einfach Harakiri".

Das sagen die Fahrer

Das Lewis Hamilton nach dem Rennen angefressen war, liegt auf der Hand. "Es ist nicht einfach, das zu schlucken. Es ist bislang ein hartes Jahr. Am Anfang hatte ich noch die Hoffnung, dass ich noch WM-Punkte einfahren könnte. Aber ich konnte nichts ausrichten. Das ist traurig für das Team", so der Brite, der die Beurteilung der Schuldfrage anderen überlassen will.

Rosberg, auf dem Podium vom Publikum lautstark ausgebuht, versuchte die Wogen zu glätten: "Ich habe gut auf Lewis aufgeschlossen. Leider haben wir uns berührt. Das hat unser beider Rennen beeinträchtigt und ist enttäuschend. Ich habe es aber noch nicht im Fernsehen gesehen. Es wäre nicht gut von mir, es jetzt weiter zu kommentieren. Ich muss es mir erst ansehen."

Wie geht es jetzt weiter?

Vor dem Rennen in Monza wird, wieder einmal, die Streitschlichter-Qualität der Mercedes Bosse entscheidend sein. Das Team ist nach wie vor der einzige Anwärter auf die Weltmeisterschaft. Wichtig aber wird sein, weiterhin einen kühlen Kopf zu bewahren, um die Situation nicht gänzlich eskalieren zu lassen. Erinnerungen an den legendären Streit zwischen Alain Prost und Ayrton Senna werden nicht erst seit dem Sonntag in Belgien geweckt.

Man darf gespannt sein, wie es weiter geht bei Mercedes...