Nach Berghe von Trips und Schumacher
Sebastian Vettel ist der dritte Deutsche Stammfahrer bei Ferrari

Sebastian Vettel während der Testfahrten zur Formel-Eins-Saison 2015. (Foto: dpa)

Wenn am Sonntag in Australien zum ersten Mal in 2015 die Motoren der Formel-Eins aufheulen, dann ist Sebastian Vettel auch ganz offiziell der nächste deutsche Pilot, der für die Scuderia Ferrari in der Königsklasse des Motorsports antritt. Florian Dellbrügge blickt auf seine Vorgänger.

Wenn in Melbourne die Ampel auf grün schaltet, dann ist Sebastian Vettel auch ganz offiziell ein Fahrer der legendären Scuderia Ferrari. Der viermalige Weltmeister ist erst der dritte Deutsche, der ein Stammcockpit beim Formel-Eins-Urgestein erhält. Der Erste saß bereits in den Anfangsjahren der F1 im Auto mit dem springenden Pferd.

Graf Berghe von Trips:
Wolfgang Alexander Albert Eduard Maximilian Graf Berghe von Trips stand von 1957 bis 1961 in Diensten von Ferrari. 2 seiner 25 Rennen beendete Berghe von Trips als Sieger.

In seiner Anfangszeit galt der Adlige noch als "Crashkid". Nicht nur einmal schied er aufgrund von selbstverschuldeten Unfällen in guter Position liegend aus den Rennen aus. Für gewöhnlich hat Ferrari solche Piloten schnell entsorgt, nicht so aber Berghe von Trips.

Enzo Ferrari ließ ihn 1959 zwar nicht mehr in der Formel-Eins für Ferrari antreten, sehr wohl aber in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Bereits ein Jahr später aber fuhr er auch wieder in der Fornel-Eins einen Ferrari (Im Jahr davor pilotierte er in der F1 einen Porsche). Mit zehn Punkten landete er in der WM-Wertung auf Rang Sieben.

1961 hatte Ferrari durch einige Regeländerungen ein der Konkurrenz überlegenes Auto. Nach Siegen in den Niederlanden und in England reiste von Trips als Führender der WM-Wertung zum Ferrari-Heimspiel nach Monza. Ein Sieg hätte gereicht, um der erste Deutsche zu sein, der Formel-Eins-Weltmeister wird. Es sollte ganz anders kommen.

Schwarze Stunde der Formel Eins

Von der Pole-Position ins Rennen gestartet war von Trips in der ersten Runde auf den sechsten Platz zurückgefallen. Beim Versuch, in der zweiten Runde die verlorenen Plätze aufzuholen, sollte es zur Katastrophe kommen.

Eingangs der Parabolica-Kurve kollidierte von Trips mit dem Wagen von Jim Clark. Mit knapp 230 Stundenkilometern auf dem Tacho verlor Graf Berghe von Trips die Fahrzeugkontrolle und raste unkontrolliert eine angrenzende Böschung hinauf. Der Wagen wurde in die Luft geschleudert.

Berghe von Trips fiel aus ihm heraus, landete auf dem Kopf und war auf der Stelle tot. Tragischerweise riss dieser Unfall am Rennsonntag elf Zuschauer mit aus dem Leben. Weitere vier sollten in den folgenden Tagen ihren Verletzungen erliegen, 60 weitere Zuschauer wurden zum Teil schwer verletzt.

Das Rennen, welches trotz des Unfalls fortgeführt wurde, ging als Rennen mit der höchsten Opferzahl in die Geschichte der Weltmeisterschaft ein. Graf Berghe von Trips wurde posthum Vize-Weltmeister 1961.

Bis der nächste Deutsche einen Ferrari in der Formel Eins pilotieren sollte gingen über 30 Jahre ins Land. Dann kam der Rekordmann.

Michael Schumacher:
Bereits während der gesamten Saison 1995, seiner zweiten Weltmeister-Saison, hatte sich das Gerücht verbreitet, dass es zwischen Benetton-Teamchef Flavio Briatore und Michael Schumacher nicht mehr so harmonierte wie in den Vorjahren. Im Herbst war die Sensation perfekt: Der amtierende Weltmeister sollte mit Beginn des neuen Jahres zur Scuderia Ferrari wechseln und - wie man heute weiß - die erfolgreichste Zeit der Teamgeschichte mitbestimmen.
Die Herausforderung für den Weltmeister der Jahre 94 und 95 bestand darin, aus dem ins tiefe Mittelmaß gesunkenen Rennstall wieder das Glanzlicht der Formel Eins zu machen. Eine Herkules-Aufgabe.

Zäher Beginn

Im ersten Jahr musste Schumacher sich mit einem Auto begnügen, welches zwar von Star-Ingenieur John Barnard entwickelt wurde, aber überhaupt nicht mit seinem Fahrstil zu verbinden war. Am Ende des Jahres hatte Schumacher viermal die Pole-Position erreicht und immerhin drei Rennen gewinnen können, darunter auch das Ferrari-Heimrennen in Monza.

Bereits im während des Rennjahres 1996 hatte es innerhalb des Ferrari Teams Umstrukturierungsmaßnahmen gegeben, unter anderem hatte man Schumachers alte Benneton-Ingenieure, Ross Brawn und Rory Byrne, zu Ferrrari geholt.

Im Jahr darauf war Schumacher dann erstmals mit Ferrari in der Lage, um die Fahrerweltmeisterschaft zu kämpfen. Bis zum letzten Rennen lieferte sich Schumacher ein Duell mit dem Vorjahres-Vize, Jaques Villneuve. In Jerez hatte Schumacher dann in Führung liegend einen Blackout, hat versucht seinen schnelleren Konkurrenten von der Strecke zu Rammen.

In Folge dieses Manövers schied der Deutsche aus dem Rennen aus und wurde im Nachgang disqualifiziert, schlimmer noch: Ihm wurde alle in der Saison erreichten Punkte aberkannt.

Neue Rivalen

Nachdem Schumacher sich seit 1994 immer mit Fahrern des Williams-Teams duelliert hatte, gab es 1998 neue Gegner. Mika Häkkinen machte sich im McLaren Mercedes auf, seine zwei Weltmeistertitel zu gewinnen. In der 98er Saison konnte Schumacher den Kampf um die WM-Krone zwar bis zum letzten Rennen in Japan offen halten, musste dann aber mit einem Reifenschaden zusehen, wie der Finne zu Ruhm und Ehre fuhr.

Im Jahr darauf hatte Ferrari ein Auto, mit dem Schumacher wohl hätte Weltmeister werden können. In der WM-Wertung auf Platz Zwei liegend brach er sich aber beim Rennen in Silverstone das rechte Schien- und Wadenbein. Mit der Verletzung sollte er bis auf zwei Rennen am Ende der Saison ausfallen und keine Chance mehr auf den ersehnten Fahrertitel haben.

Nach 21 Jahren - Ferrari und Schumacher auf dem Thron

Besser sah es da im Jahr 2000 aus. Der Ferrari F1-2000 war von Beginn an schnell und - im Gegensatz zum McLaren von Häkkinen - konstant. McLaren hatte vor allem am Anfang der Saison mit der Standfestigkeit des Wagens Probleme und konnte in den ersten beiden Rennen der Saison keine Punkte holen.

Schumacher sollte in der 2000er Saison insgesamt neun Rennen gewinnen und sich in Suzuka zum ersten Ferrari-Weltmeister seit 1979, seit Jody Scheckter, krönen.

Der Titel 2000 war nur der Auftakt in eine Zeit, welche die Formel-Eins bis dato nicht erlebt hatte. Bis 2004 wurde Schumacher insgesamt fünfmal in Serie Weltmeister, ist damit bis heute der Rekordchampion der F1, brach fast alle Rekorde und gilt als einer der, wenn nicht gar der beste, besten Rennfahrer aller Zeiten.

Vettel kommt in Umbruchszeiten

Noch bis zum Ende der Saison 2006 sollte Schumacher den Ferrari pilotieren. Ein Comeback 2009 scheiterte an einer Verletzung am Nacken, erlitten bei einem Motorradunfall. Von 2010 bis 2012 fuhr Schumacher noch drei Jahre für das aktuelle Weltmeisterteam, für Mercedes. Er konnte aber nie mehr an die Glanzzeiten bei und mit Ferrari anknüpfen.

In seine Fußstapfen tritt Vettel nun. Man darf gespannt sein, ob ihm ähnliches gelingt. Ebenso wie Schumacher findet Vettel ein Team in Zeiten der Veränderung vor. In der letzten Saison blieb Ferrari deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Die aktuellen Testfahrten vor der Saison haben gezeigt, dass über den Winter aber ein Schritt nach vorne gemacht werden konnte. Es liegt also auch an Vettel, dieses legendäre Team nun zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

Die tragische Geschichte des Stefan Bellof

Lange bevor Michael Schumacher sich aufmachte, der erfolgreichste Formel-Eins-Pilot aller Zeiten zu werden, sollte ein anderer Deutscher Teil der Mythosmarke werden: Stefan Bellof.

Nach Erfolgen in der Formel 3, der Formel 2 und der Sportwagen-WM ging Bellof 1984 für das Team Tyrell in der Formel-Eins an den Start. Beim Rennen in Monaco machte er erstmals eine breite Masse auf sich aufmerksam. Im verregneten Rennen startete er, wie im unterlegen Tyrell üblich, vom Ende des Feldes, sollte sich aber bis auf den dritten Platz nach vorne kämpfen. Zeitweise war er der schnellste Mann im Feld, sogar schnelle als der führende Ayrton Senna. Wer weiß wo der gebürtige Gießener gelandet wäre, wenn das Rennen nicht abgebrochen worden wäre.

Aufgrund eines Verstoßes gegen das technische Reglement wurde das gesamte Team am Ende der Saison disqualifiziert. Bellof wäre ohne den Wertungsausschluss 14. der Weltmeisterschaft geworden.

Doch das Rennen in Monaco sollte die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen. Enzo Ferrari sah Bellof durch den Regen peitschen und war begeistert vom jungen Deutschen. Ab der Saison 1986 sollte Bellof für die Scuderia an den Start gehen. Dazu kam es tragischerweise aber nie.

Tödlicher Unfall in Spa

Bei seinem letzten Sportwagen-Rennen im belgischen Spa kollidierte er mit Jacky Ickx, raste fast ungebremst in die nahende Leitplanke und erlag seinen schweren Verletzungen. Die Karriere und das Leben des bis dahin wahrscheinlich talentiertesten Piloten der Autofahrer-Nation Deutschland endete, noch bevor es richtig losging

"Wenn Stefan nicht verunglückt wäre, hätte es meine Karriere vielleicht nie gegeben. Weil sich dann im Motorsport alles um Bellof gedreht hätte, weil er der Formel-1-Weltmeister und PS-Superstar geworden wäre", hat Michael Schumacher einst über Stefan Bellof zu Protokoll gegeben.

Weitere Deutsche mit Ferrari im Heck

Neben den genannten gab es in der Formel-Eins bereits einige weitere Deutsche, die zwar nicht für das Team Ferrari, aber sehr wohl mit einem Ferrari-Motor in der Formel-Eins an den Start gegangen sind. In der Frühzeit der waren das Hans Stuck und Kurt Adolff, die 1953 jeweils mit privat eingesetzten Ferraris beim Großen Preis von Deutschland an den Start gingen (Adolff) oder gehen wollten (Stuck).

In der neueren Zeitrechnung der F1 ist es üblich, dass kleine Teams Motoren kaufen oder leasen. So sind Nick Heidfeld (Sauber), Heinz-Harald Frentzen (Prost und Sauber), Markus Winkelhock (Spyker), Adrian Sutil (Spyker, Force India und Sauber), Nico Hülkenberg (Sauber) und auch Sebastian Vettel schon mit Ferrari-Power an den Start gegangen.

Vettel hat sogar seinen allerersten Rennsieg mit einem Ferrari-Motor eingefahren. Beim Sieg in Monza 2008 wurde sein Torro-Rosso von einem Ferrari-Motor angetrieben. Wie man mit Ferrari gewinnt, weiß Vettel also schon einmal. Es bleibt zu hoffen, dass er in Zukunft auch als Ferrari-Werksfahrer den ein oder anderen Sieg einfahren kann.